Der Klientenrat - Mitbestimmung und Selbstbestimmung an den Standorten fördern

 

Liebe Blog-Lesende

 

An der Tagung «Inklusion erleben» vom 28. März haben sich rund 200 Personen auf spielerische, kreative Weise auf Vielfalt und Verschiedenheit eingelassen und diese Qualitäten schätzen gelernt. Von freiwillig und selbstbestimmt bis hin zu notgedrungen rücksichtsvoll haben wir auch einiges über unseren Umgang miteinander gelernt. Der scheidende General André Cox meinte denn auch in seiner Ansprache nachdrücklich: «Inklusion ist der richtige Weg.» Dieses Statement spielt unseren Bemühungen im Sozialwerk natürlich in die Karten.

Soweit so gut. An unseren Standorten erleben wir aber täglich, dass dieser Weg der Inklusion und möglichst selbstbestimmten Teilhabe kein Spazier-gang ist. Und dies nicht nur aufgrund der Eigenheiten unserer Klientinnen und Klienten, sondern auch aufgrund unserer eigenen Wesensmerkmale und jenen unserer Arbeitskolleginnen und -kollegen. In der kürzlich abgeschlossenen Erhebung, die im Sozialwerk das Potenzial von Inklusion und Teilhabe ergründen sollte, war die Mit- und Selbstbestimmung der Klientinnen und Klienten ein besonders augenfälliges Thema.

 

Ein Beispiel: An einem Standort durften sich Klientinnen, Klienten und Mitarbeitende zum neuen Mobiliar in der Cafeteria äussern. Die Standort-leitung bezog die Bewohnenden in die Auswahl der neuen Stühle mit ein, wobei verschiedene Modelle einige Tage lang getestet und bewertet werden konnten. Die Bewohnerinnen und Bewohner schätzten dieses Vorgehen sehr. Bemängelt wurde lediglich, dass man sie dann nicht über das Resultat des Tests informierte, sondern dass sie eines Tages einfach eine neu bestuhlte Cafeteria vorfanden. Erst jetzt tauchten im Test anscheinend unbemerkte Mängel auf, um deren Behebung man sich allerdings im Anschluss sehr bemühte. Wenngleich verbesserungswürdig, so ist doch das Vorgehen der Standortleitung grundsätzlich vorbildlich.

 

Das Beispiel zeigt, dass und wie Klientinnen und Klienten auf sehr natürliche, informelle Art bei Entscheidungen, die sie betreffen, einbezogen werden können. Wie lässt sich an unseren Standorten die Selbst- oder zumindest Mitbestimmung sonst noch fördern?

In der Tagungsauswertung zu «Inklusion erleben» äusserten Teilnehmende die Idee eines «Klientenrats». Dieser soll Klientinnen und Klienten die Möglichkeit bieten, ihren Alltag aktiver mitzugestalten und bestenfalls die Entwicklung des Standorts mitzuprägen.

 

Mit Sicherheit wird die Umsetzung von Standort zu Standort anders aussehen und sich stark an den jeweiligen Gegebenheiten anpassen. Vom punktuellen bzw. befristeten Einbezug der Klientinnen und Klienten (z. B. für ein anstehendes Bauvorhaben) bis hin zu einem institutionalisierten «Beirat» von Bewohnenden, der sich regelmässig austauscht und der Standortleitung lösungsorientierte Impulse gibt, ist vieles denkbar. Dass ein aktiver Einbezug von Klientinnen und Klienten herausfordert und an Grenzen stösst, ist klar. Nicht alle Bewohnenden wollen mitbestimmen, andere können aufgrund ihrer Konstitution gar nicht mehr selbstbestimmt agieren. 

 

Einzelne Standorte im Sozialwerk verfügen dazu bereits über Erfahrungen und wissen um die Chancen, Herausforderungen und möglichen Grenzen der Selbst- und Mitbestimmung. Es wäre deshalb schön, von diesen Erfahrungen zu lernen. Wenn es an Ihrem Standort bereits Know-how und bewährte Vorgehensweisen gibt, erfahren wir gerne davon. Wir freuen uns, wenn Sie uns bspw. in einem Kommentar zu diesem Blogbeitrag davon berichten. Alternativ können Sie uns ihr Good-Practice-Beispiel auch per E-Mail oder auf sonstigem Weg zukommen lassen.

 

«Inklusion ist der richtige Weg», fand General André Cox. Klientinnen und Klienten auch unter schwierigen Umständen ein möglichst selbstbe-stimmtes Leben anzubieten, ist ein wichtiger Schritt auf diesem richtigen Weg zu einem gleichwertigen und gleichberechtigten Miteinander.

 

Ich wünsche Ihnen eine erfrischende und erholsame Sommerzeit.

 

Dr. Oliver Merz

Projektleiter Inklusion und Teilhabe

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