Ich schenke Vertrauen

Liebe Blog-Lesende

 

Vertrauen ist elementar für unser Leben. Vertrauen ist die Grundlage so vieler alltäglicher Dinge. Zum Beispiel vertraue ich, dass meine Beine jeden Morgen die Kraft haben werden, mich durch den Tag zu tragen. Noch Vieles gäbe es aufzuzählen, das uns so selbstverständlich erscheint. Erst wenn etwas nicht mehr geht, kommen wir ins Nachdenken.

Meine Krankheit vor gut drei Jahren veränderte meine Haltung zu den bis anhin angenommenen Selbstverständlichkeiten des Lebens. Meine Krank-heit nötigte mich loszulassen sowie den Heilkräften meines Körpers, der Medizin und den Fachleuten zu vertrauen. Mein Einfluss auf die Gestaltung des Heilungsprozesses war gering. Jedoch hatte nur ich die Kompetenz, diesen eben genannten Faktoren mein Vertrauen zu schenken oder zu entziehen.

Diese Erfahrung prägt mich bis zum heutigen Tag. Gerade in meiner Führungsrolle bin ich täglich gefordert, in Situationen zu vertrauen, die ich nur schlecht beeinflussen kann. Vertrauen heisst, den eigenen Einfluss-bereich zu minimieren und jenen des Gegenübers zu vergrössern. Indem ich dies tue, spreche ich dem Gegenüber Kompetenzen zu. Dies können meine Mitarbeiter sein, interne und externe Partner, manchmal einfach auch die Ressource Zeit und, für mich als christusgläubigen Menschen, auch dieser Gott, vom dem die Bibel spricht.

 

Meinen Einflussbereich abzugeben heisst, Erwartungen in Bezug auf das Ergebnis klar zu formulieren und dann den Prozess, wie etwas gemacht wird, loszulassen. Wenn die Handlungsweisen meines Gegenübers ähnlich sind wie meine, ist dies nicht so schwierig. Wie sieht es jedoch dann aus, wenn jemand ganz anders an die Arbeit geht als ich? Wie gelingt es mir, Vertrauen zu schenken, wenn Prozesse ausserhalb meiner menschlichen Einwirkungen vonstattengehen? Werde ich dann nervös und unsicher, kommen meine Kontrollmechanismen u.a. zum Vorschein? Auch diese Reaktionen sind ernst zu nehmen, zu reflektieren und zu bewerten.

 

Vertrauen zu schenken ist eine Haltung, die Handlungen nach aussen und innen zur Folge hat. Eine Haltung, die Mut erfordert, Komfortzonen zu verlassen und sich auf grössere oder kleinere Risiken einzulassen. Vertrauen schenken zu können, bringt eine neue Freiheit und Gelassenheit mit sich und dies wünsche ich allen Leserinnen und Lesern.

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen berührende Erfahrungen, indem Sie anderen und sich selber Vertrauen schenken.

 

Karin Wüthrich

Co-Leiterin travailPLUS

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Kommentare: 2
  • #1

    Marco Innocente (Donnerstag, 31 Mai 2018 14:38)

    Den eigenen Einflussbereich verkleinern indem man Vertrauen schenkt, das ist wohl eine der grössten Herausforderungen und oft ein Hindernis das Vertrauen nicht zu geben.

  • #2

    Til Margraf (Montag, 04 Juni 2018 14:22)

    Liebe Karin - Hab ganz lieben Dank für deine guten Worte.
    Vertrauen gegenüber Mitmenschen heisst auch, anderen etwas zu zutrauen. Den Menschen zu zeigen, dass wir an sie Glauben, ihre starken Ressourcen hoch schätzen und dankbar für die gezeigten Potenziale sind, die sich aus Missgeschicken offenbaren. Wenn ich vertrauen erhalte, weiss ich auch von der damit zusammenhängenden Verantwortung, die mir der in mich vertrauende Mensch gibt. Nur so erlebe ich mich als Selbstwirksam und mitgestaltendes Wesen, dessen Kapazitäten wachsen und sich entwickeln können. Ein Umstand, der (nicht nur) aus neurobiologischer Sicht, Grosses entstehen lassen kann. Die Kontrolle und mir einhergehende Intransparenz (Wissen ist Macht) verhinderte nur all zu oft wertvolle Entwicklungen und innovatives Denken. Echte Veränderung kann nur durch vertrauensvolle Beziehungen geschehen - sei dies im oder durch das denkende und handelnde Wesen.
    Danke für deinen 'Apell'!

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